Manche Alben begleiten mich seit Jahrzehnten. Hier sammle ich die Platten, zu denen ich immer wieder zurückkehre – und erzähle, was sie für mich besonders macht.
01 · Album
"Ententraum" - International Music
(2021) Corona-Lockdown. Die Welt draußen stand irgendwie still. Ich erinnere mich an diese eigenartige Zeit, in der die Tage manchmal ineinander übergingen. Keine Konzerte, kaum Abwechslung, dafür viel Zeit, in alten Platten zu stöbern und neue Musik zu entdecken. Und dann war da plötzlich dieses Album: „Ententraum“ von International Music.
Schon beim ersten Hören dachte ich: Was ist das denn für eine herrlich schräge deutschsprachige Musik? Irgendwie vertraut und gleichzeitig völlig anders.
Ein bisschen Krautrock, psychedelische Gitarren, verträumte Melodien und dazu diese wunderbar eigenwilligen Texte.
Für mich ist „Ententraum“ auch ein kleines Stück Erinnerung an eine ziemlich verrückte Zeit.
Auf Spotify anhören ↗02 · Album
"Legao" - Erlend Øye
(2014) - Mit „Legao“ veröffentlichte der norwegische Musiker Erlend Øye, bekannt durch Kings of Convenience und The Whitest Boy Alive, sein zweites Soloalbum. Gemeinsam mit der isländischen Reggae-Band Hjálmar entstand eine entspannte Mischung aus sanften Reggae-Rhythmen, melodischem Indie Pop und warmen, akustischen Klängen. Øyes charakteristische, zurückhaltende Stimme verleiht den zehn Songs eine besondere Leichtigkeit. Mit Titeln wie „Garota“, „Fence Me In“ und „Bad Guy Now“ bietet das Album eine sommerliche, zeitlose Klangatmosphäre voller Charme und musikalischer Eleganz.
Auf Spotify anhören ↗03 · Album
"Koop Islands" - Koop
(2006) - Mit „Koop Islands“ veröffentlichte das schwedische Duo Koop, bestehend aus Magnus Zingmark und Oscar Simonsson, sein drittes und letztes Studioalbum. Die stilvolle Mischung aus nostalgischem Swing der 1930er-Jahre, modernem Jazz, karibischen Rhythmen und dezenter Elektronik schafft eine entspannte, elegante Klangwelt. Mit Gaststimmen von Ane Brun und Yukimi Nagano sowie Titeln wie „Koop Island Blues“, „Come to Me“ und „I See a Different You“ gilt das Album als herausragendes Beispiel des modernen Nu Jazz.
Auf Spotify anhören ↗04 · Album
"Death by Chocolate" - De-Phazz
(2001) - Es gibt Alben, zu denen ich immer wieder zurückkehre. „Death by Chocolate“ ist so eines. Ich mag diese wunderbar entspannte Mischung aus Jazz, Lounge, Trip-Hop und elektronischen Beats. Mal etwas schräg, mal verträumt, aber immer mit diesem besonderen Groove.
Das Schöne daran: Auch nach 25 Jahren habe ich mich an dieser Musik nicht sattgehört. Für mich ein zeitloses Album, das einfach gute Laune macht, ohne sich aufzudrängen. Und manchmal ist genau das die beste Musik.
Auf Spotify anhören ↗05 · Album
"Moon Safari" - Air
(1998) - Ende der 90er war ich musikalisch auf einem ganz anderen Trip. Nach all den Jahren mit Rock, Pop, hatte ich zunehmend Lust auf ruhigere, entspanntere Klänge. Meine Easy-Listening-Phase hatte begonnen. Und ich merkte schnell: Auch Musik, die nicht laut ist, kann einen ganz schön packen.
Und dann entdeckte ich „Moon Safari“ von Air. Zwei Franzosen, die mit ihren Synthesizern eine Klangwelt erschufen, in der ich mich sofort wohlfühlte. Ich weiß nicht, wie oft ich dieses Album damals gehört habe. Aber diese wunderbar entspannte Stimmung hatte es mir wirklich angetan.
Schon die ersten Töne von „La femme d'argent“ ziehen mich bis heute in ihren Bann. Dazu das wunderbar schwebende „All I Need“, das verspielte „Kelly Watch the Stars“ und natürlich „Sexy Boy“. Diese warmen Synthesizer, sanften Beats und herrlichen Melodien – genau mein Ding damals!
Was ich an „Moon Safari“ so liebe, ist diese unglaubliche Leichtigkeit. Das Album schafft es, eine ganz eigene Atmosphäre zu erzeugen. Musik, bei der man einfach die Gedanken schweifen lassen kann ...
Auf Spotify anhören ↗06 · Album
"Good Humor" - Saint Etienne
(1998) – Fußball, Popmusik – Schon der Bandname Saint Etienne machte mich neugierig. Schließlich kannte ich AS Saint-Étienne als französischen Fußballverein. Dass sich dahinter eine britische Popband aus London verbarg, fand ich irgendwie großartig.
Und dann war da natürlich Sarah Cracknell. Für mich damals der Inbegriff einer Pop-Queen: wunderschön, charmant und mit dieser wunderbar leichten Stimme. Dazu zwei männliche echte Pop-Tüftler, die genau wussten, wie man großartige Melodien mit lässigen Beats verbindet.
„Good Humor“ ist für mich Popmusik vom Feinsten. Herrlich eingängige Songs wie „Sylvie“, „The Bad Photographer“ oder „Lose That Girl“, dazu diese Mischung aus Sixties-Flair, raffinierten Arrangements und einem wunderbar unbeschwerten Sound …
Auf Spotify anhören ↗07 · Album
"Older" - George Michael
(1996) - In den 80ern hatte George Michael etwas, das ich auch gerne gehabt hätte: Diese verdammt lässige Art, bei Frauen anzukommen. Während ich mir darüber noch Gedanken machte, reichten bei ihm offenbar ein Lächeln, eine Sonnenbrille und ein paar Takte Musik. Schon etwas ungerecht, fand ich. Aber gut, seine Stimme hätte ich auch genommen. Alles klang so leicht und selbstverständlich.
Doch dann kam 1996 „Older“. Und plötzlich war da ein ganz anderer George Michael. Weniger Popstar, weniger Glanz, dafür viel mehr Gefühl und Melancholie. Songs wie „Jesus to a Child“, „Fastlove“ oder „You Have Been Loved“ zeigten eine nachdenkliche, verletzliche Seite. Dazu diese warme Stimme, die eleganten Arrangements und zurückhaltender Pop.
Was mich an „Older“ bis heute fasziniert, ist diese besondere Stimmung. Das Album klingt erwachsen, manchmal traurig, aber niemals kitschig.
Auf Spotify anhören ↗08 · Album
"Helios" - Phillip Boa And The Voodooclub
(1991) - Mit „Helios“ veröffentlichte Phillip Boa And The Voodooclub 1991 ein Album voller eigenwilliger Melodien, kantiger Gitarren und experimenteller Klanglandschaften. Die charakteristische Mischung aus Indie Rock, Post-Punk und psychedelischen Einflüssen wird durch das markante Zusammenspiel von Phillip Boas Gesang und Pia Lunds Stimme geprägt. Songs wie „And Then She Kissed Her“, „The Laughing Moon“ und „Life After Being A Zombie“ verbinden eingängige Melodien mit düsterer Atmosphäre und unkonventionellen Arrangements. „Helios“ zählt zu den prägenden Veröffentlichungen der deutschen Independent-Szene der frühen 1990er-Jahre.
Auf Spotify anhören ↗09 · Album
"Out Of Time" - R.E.M.
(1991) 1991 war für mich ein besonderes Jahr. Ich war 27, frisch verheiratet und stolzer Vater. Plötzlich war dieser kleine Mensch, der mein Leben ordentlich durcheinanderwirbelte. Weniger Schlaf, aber auch unglaublich viele schöne Momente ...
Und genau damals erwischte mich „Losing My Religion“ Ich muss heute noch schmunzeln, denn anfangs dachte ich tatsächlich, der Song hätte etwas mit Religion und dem Glauben an Gott zu tun. Erst später verstand ich, dass es vielmehr um Sehnsucht, Unsicherheit und die Angst geht, etwas zu verlieren.
Musikalisch hatte mich der Song sofort gepackt. Diese Mandoline, die eigenwillige Stimme von Michael Stipe und diese wunderbare Melodie. Ich konnte mich einfach nicht satthören.
Und dann kam das Album „Out of Time“. Mit „Near Wild Heaven“, dem melancholischen „Country Feedback“ und vor allem dem fröhlichen „Shiny Happy People“ zeigte R.E.M., wie abwechslungsreich und gleichzeitig unverwechselbar Musik sein konnte.
Auf Spotify anhören ↗10 · Album
"Blaze Of Glory" - Joe Jackson
(1989) - Es gibt Alben, die mich seit Jahrzehnten begleiten und die ich immer wieder gerne auflege. „Blaze of Glory“ von Joe Jackson gehört unbedingt dazu.
Was ich an diesem Album so mag? Es ist unglaublich abwechslungsreich. Mal rockig, mal jazzig, dann wieder mit großen, fast schon dramatischen Arrangements. Und trotzdem klingt alles unverkennbar nach Joe Jackson.
Für mich ist „Blaze of Glory“ eines seiner stärksten Alben. Eines, das man am besten von Anfang bis Ende hört. Und das auch nach über 35 Jahren nichts von seinem Reiz verloren hat.
Auf Spotify anhören ↗11 · Album
"Substance" - New Order
(1987) - Kühle Synthesizer, treibende Beats und markante Basslinien – genau das war mein Ding! Als ich New Order für mich entdeckte, hatte mich dieser Sound sofort gepackt. Kühl aber mit einem Rhythmus, bei dem man einfach nicht still sitzen konnte.
„Blue Monday“ mit diesem genialen Beat, „Bizarre Love Triangle“, „True Faith“ oder „Temptation“ – ich konnte mich daran einfach nicht satthören. Oft reichten wenige Takte, und ich wusste sofort: Das sind New Order.
New Order hatten mit „World in Motion“ den offiziellen WM-Song der Engländer aufgenommen. Eine meiner Lieblingsbands machte Musik für meine Lieblingsmannschaft. Besser ging es für mich kaum. Ich denke dabei sofort an die WM 1990 in Italien zurück. An Gary Lineker, Paul Gascoigne und dieses unvergessliche Halbfinale zwischen England und Deutschland. 1:1 nach Verlängerung, dann das Elfmeterschießen. Deutschland zog ins Finale ein, England musste, wie schon oft, nach verschossenen Elfmetern -diesmal waren es zwei ;-) - nach Hause fahren …
Auf Spotify anhören ↗12 · Album
"85555" - SPLIFF
(1982) - Mit ihrem zweiten Studioalbum „85555“ gelang der Berliner Band Spliff 1982 der große Durchbruch. Die Mischung aus kraftvollem Rock, elektronischen Klängen, markanten Rhythmen und ungewöhnlichen deutschen Texten machte das Album zu einem Klassiker der frühen 80er-Jahre. Mit Hits wie „Carbonara“, „Déjà Vu“ und „Heut’ Nacht“ erreichte die LP Platz 1 der deutschen Albumcharts und erhielt Platinstatus. Der ungewöhnliche Albumtitel geht auf die damalige CBS-Bestellnummer zurück.
Auf Spotify anhören ↗13 · Album
"Out of the Blue" - Electric Light Orchestra
(1977) - Meine erste große musikalische Liebe? ELO! Ich war noch Schüler, als mich das Electric Light Orchestra so richtig erwischte. Plötzlich reichte es mir nicht mehr, einfach nur Musik im Radio zu hören. Ich wollte jeden Song kennen, jedes Album haben und vor allem diese Musik immer wieder hören können. Ich war Fan geworden. So richtig!
Zum Glück gab es DT64 und die wunderbare Sendung „Duett – Musik für den Rekorder“. 20 Mark – Kassette rein, Aufnahme- und Play-Taste gleichzeitig drücken und es redete niemand dazwischen. So kam auch zu „Out of the Blue“.
Ich glaube, ich habe mir das Album gefühlt über hundertmal angehört. Diese unglaubliche Verbindung aus Streichern, eingängigen Popmelodien, Chören und dem unverwechselbaren Sound von Jeff Lynne hatte es mir einfach angetan. „Turn to Stone“, „Sweet Talkin' Woman“, „Mr. Blue Sky“ – ein großartiger Song nach dem anderen.
Was mich damals so begeistert hat, begeistert mich noch heute: Diese herrliche Mischung aus klassischer Musik und Pop, die bei ELO so selbstverständlich und leicht klang.
Auf Spotify anhören ↗Auswahl von music-ki. Wiedergabe über Spotify.