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REZENSION

Mac DeMarcos neues Album „Guitar“

Weniger Slacker, mehr Seele

Es ist schon eine Weile her, dass es Neuigkeiten vom König des Lo-Fi gab. Nach den experimentellen Instrumentals der letzten Jahre fragten sich viele: Hat Mac DeMarco überhaupt noch Lust auf klassisches Songwriting? Mit seinem neuen Album "Guitar", das im August 2025 erschienen ist, liefert er die Antwort – und die klingt intimer, als wir es je erwartet hätten.

Der Titel des Albums ist Programm. Wer auf schrille Synthesizer oder die verspielten Effekte von This Old Dog gehofft hat, wird überrascht. Mac reduziert alles. Es gibt keine Verstecke mehr hinter Hall-Effekten oder albernen Personas. Was bleibt, ist eine akustische Gitarre, ein unaufgeregter Bass und eine Stimme, die über die Jahre deutlich an Tiefe und Reife gewonnen hat.

Wenn man über dieses Album spricht, kommt man an der Single „Holy“ nicht vorbei. Der Song wirkt wie ein spirituelles Erwachen im Schlafzimmer-Format.

Der Text: Mac singt über die Suche nach Heilung und den Wunsch, alte Dämonen endlich ruhen zu lassen. Zeilen wie „Looking for a miracle to wash the slate“ zeigen einen Künstler, der mit seiner Vergangenheit Frieden schließt.

Die Stimmung: Trotz der Melancholie schwingt eine unheimliche Wärme mit. Es ist Musik für die blauen Stunden – perfekt für einen einsamen Roadtrip oder einen verregneten Sonntagmorgen.

Mac DeMarco ist nicht mehr der „Slacker-Prinz“, der mit einer Zigarette im Mundwinkel Grimassen schneidet. Er ist erwachsen geworden. Das Album fühlt sich an wie ein spätes Geständnis. Es ist mutig, so wenig zu produzieren, wenn die ganze Welt nach großen Hooks schreit. Doch gerade in dieser Stille liegt die größte Kraft.

Guitar ist kein Album, das man im Hintergrund auf einer Party laufen lässt. Es fordert Aufmerksamkeit, schenkt einem dafür aber eine seltene Form von Ehrlichkeit. „Holy“ ist für mich schon jetzt einer der stärksten Songs des Jahrzehnts.

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